Tod durch Staatsraison

Vorwort | RAIMUND LÖW | aus FALTER 44/02 vom 30.10.2002

AUSLAND. Folgt auf Putins blutige Moskauer Geiselbefreiung eine neue Tschetschenienpolitik? Eher nicht. 

Es war im Revolutionsjahr 1989 und Michail Gorbatschow regierte die Sowjetunion. Ein kriminelles Kommando hatte in der Stadt Ordschonikidse im Kaukasus einen Schulbus überfallen und dreißig Kinder mit einer Lehrerin als Geiseln genommen. Die Forderung lautete: zwei Millionen Rubel, ein Flugzeug und freies Geleit ins sichere Ausland. Die sowjetische Tradition des Umgangs in solchen Situationen war eindeutig: niemals nachgeben. Der Sturmangriff war immer nur eine Frage der Zeit. Der Staat lässt sich nicht erpressen, hieß es, und um das zu demonstrieren, war kein Preis zu hoch. Zur allgemeinen Überraschung setzte Gorbatschow jedoch eine völlig andere Vorgangsweise durch. Man solle ruhig die Forderungen der Entführer erfüllen, befahl der Generalsekretär. Das Leben der Geiseln zu schützen sei ihm das Allerwichtigste. Zwei Tage später landete die entführte Maschine am Ben-Gurion-Flughafen


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