Kommentar: Geist + Geschäft = "Suhrkamp-Kultur"

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 44/02 vom 30.10.2002

Zuletzt wurde der schwer kranke Verleger von allen Unbilden - etwa im Zusammenhang mit Martin Walsers unappetitlichem Roman "Tod eines Kritikers" - abgeschirmt. Der traditionelle Kritikerempfang anlässlich der Frankfurter Buchmesse fand nicht in seiner Villa, sondern im Verlagshaus statt. Nun ist Siegfried Unseld vergangenen Samstag den Folgen seines Herzleidens erlegen. Der 1924 in Ulm geborene Verleger gehörte dem am 1. Juli 1950 gegründeten Suhrkamp Verlag seit 1952 an und leitete diesen seit dem Tod Peter Suhrkamps im Jahr 1959. 1998 wurde er durch die Übernahme der Anteile seines Mitteilnehmers Andreas Reinhart zum Mehrheitsgesellschafter.

Durchblättert man die Feuilletons, fragt man sich, welche Geistesgröße sterben müsste, um vergleichbar umfänglich gewürdigt zu werden. Der "letzte große Verlegerpatriarch" (Elfriede Jelinek anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens des Verlages im Falter) arbeitete ein halbes Jahrhundert für einen Verlag, der wie wohl kaum ein anderer


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