STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 44/02 vom 30.10.2002

Jacques Rivette und kein Ende. Kaum ist die große Retrospektive vorüber, läuft "Va savoir", der bislang letzte Film des französischen Regisseurs, regulär im Kino an. Die ganze Handlung dreht sich um eine italienische Theatergruppe, die mit einem Stück von Pirandello auf Tournee ist und gerade Zwischenstation in Paris macht. Camille (Jeanne Balibar), die im Stück die Hauptrolle spielt, ist auf der Suche nach Pierre (Jacques Bonnaffé), ihrem früheren Geliebten. Ugo (Sergio Castellito), der Regisseur der Truppe und aktuell Camilles Geliebter, hofft, ein unveröffentlichtes Manuskript von Goldoni zu finden, und verliebt sich in die ungestüme Dominique (Hélène de Fougerolles). Diese unterhält ein sonderbares Verhältnis zu ihrem Halbbruder Arthur (Bruno Todeschini), der wiederum Sonia (Marianne Basler), die Geliebte Pierres, umwirbt und sie um einen kostbaren Ring bringen will.

  Und so weiter und so fort dreht sich der Reigen, bis zum großen Finale sämtliche Akteure im Theater zusammentreffen und der Vorhang des Films fällt. Der gestohlene Ring und das Goldoni-Manuskript allerdings, die beiden "Wanderobjekte" des Films, sind in "Va savoir", anders etwa als noch bei Ophüls ("Madame de...", 1953), nur mehr "Störfaktoren im Strom der romantischen Begierden: Die Suche nach ihnen führt buchstäblich und unverblümt zum Fressen' statt zur Moral' - der gestohlene Ring ist in einem Topf mit Mehl versteckt, das verschollene Manuskript findet sich in einem Regal zwischen Kochbüchern" (Ralph Eue).

  C'est bon, bleiben wir in Frankreich. - Unter dem Titel Made in France zeigt Helmut Weihsmann von 5. bis 8.11. im Cinestudio der HTU dokumentarische Arbeiten über zeitgenössische Architektur und Architekten des Landes, und das Filmarchiv Austria eröffnet am 7.11. seine Retrospektive Oskar Werner im Metro gleichfalls à la française - mit "Jules et Jim" (1961), François Truffauts klassischer Geschichte einer tragischen Menage à trois.


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