OLMI-ROMAN: Jenseits der Hoffnung

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 44/02 vom 30.10.2002

Es gibt Romane, die sind das Gegenteil von schlecht, und doch ist es Pflicht, vor ihnen zu warnen. "Meeresrand", das Prosadebüt der französischen Theaterautorin Véronique Olmi, ist eines dieser Bücher: erzählerisch perfekt, sprachlich eine Wucht, 118 Seiten kurz und doch von schier unerträglicher Länge. "Meeresrand" erzählt von einer allein erziehenden Sozialhilfeempfängerin, die mit ihren Kindern Kevin, fünf Jahre alt, und Stan, acht Jahre alt, in eine Kleinstadt am Meer fährt. Sie will ihren Kleinen zeigen, dass die Welt mehr zu bieten hat als die Schäbigkeit ihres von Neurosen gezeichneten Alltags. Olmi hat ihre Protagonistin bewusst als Prototypen einer von seelischen Deformationen geprägten Frau angelegt, ganz so, als hätte sie eine Bühnenrolle in Prosa transformiert, und auch die Schauplätze des Romans wirken in ihrer Metaphernhaftigkeit, als wären sie dem Theater entliehen. Genauso trist wie das Leben der Icherzählerin ist das Küstenstädtchen; ebenso heruntergekommen


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