VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

... widmete sich die "Kommission zur Erforschung des Stadtrands", bestehend aus Armin Thurnher (Text) und Werner Korn (Fotos), dem eben eröffneten Stadtwanderweg Nr. 7 und schritt die Teilstrecke Reumannplatz-Laaer Wald ab.

Wenn man geht, kann man bequem über den momentanen österreichischen Geisteszustand nachdenken, wie ihn sich die Werbeindustrie vorstellt. Ein fast wissenschaftliches Bild des Österreichers entsteht. Links hinter einer Plakatwand tut sich eine Gstettn auf, ein so genanntes Kinderparadies. Wir müssen vorbei, der Weg führt auf einen Parkplatz, rechts eine Wohnanlage. Wie geht es weiter? Eine Hausfrau tritt auf. "Wandern? An der Gstettn vorbei? Wer will denn da wandern?? Des is ja ned schee. Ja, wir ham da an Wegweiser, aber ...", wo es weiter ergeht, weiß sie auch nicht, dafür hat sie, voll listiger Freundlichkeit, einen Verdacht: "Mochen eam Sie, gell?" Ein Briefträger gesellt sich dazu. Er mutmaßt, es gehe weiter unten weiter. Links formieren sich einige Arbeiter zur Naturbearbeitung, beobachtet von einem Pensionisten. Mähen sie das Unkraut zur Eröffnung des Stadtwanderwegs? "Das nicht. Es kommt weg, wenn man Zeit hat, vielleicht aber auch wegen dem Stadtwanderweg." Der Briefträger hat Recht gehabt, wir müssen nach rechts, da ist er wieder, der hölzerne Zeiger, an einer Farbenfabrik angebracht, und deutet auf die Brotfabrik. Eine Hausfrau mit Fahrrad berät uns gerne. Immer geradeaus, meint sie, vorbei an der Baustelle, auf die Betonbrücke zu, über die Autobahn. Später kommen wir an ihrem Haus vorbei. "Sehen Sie", ruft sie und lacht, "das wissen halt nur die Radfahrer!"


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