DER PENSI-NEID: Schwarz-blaue Wendl

Politik | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

Josef Broukal kennt sie nur aus dem Schminkraum. Und von Eiskunstlauf-Übertragungen, in die er "hineingefallen" ist. "Sie hat mich zumindest nicht vom Fernseher vertrieben", sagt Broukal: "Ingrid Wendl hat eine sehr angenehme Stimme."

  Die wird Wendl künftig für die ÖVP und vielleicht auch gegen ihren Exkollegen Broukal erheben. Wie der SPÖ-Schattenminister moderierte die 62-Jährige für den ORF. Die ehemalige Eiskunstlaufeuropameisterin war Ansagerin, Sportreporterin und Präsentatorin des "Seniorenclubs". Ihre Klientel bleibt somit auch in der Politik die alte: Wendl, die ihren Parlamentssitz sicher hat, soll der ÖVP Stimmen der Pensionisten bringen.

  Dabei geht es um rund 1,6 Millionen Österreicher, ein Viertel der Wahlberechtigen ist über sechzig. "Die Senioren sind als Wähler schon beinahe so mobil wie die Jungen", sagt der Sora-Meinungsforscher Christoph Hofinger. Das merkt momentan vor allem die FPÖ. Als die Blauen vor zweieinhalb Jahren erstmals in Ministerbüros einzogen, begannen ihnen die stets vorsichtigen Senioren nach und nach zu vertrauen. Doch dann sprengte Jörg Haider die eigene Regierung. Von über zwanzig Prozent sackten die Blauen in der Gunst der Pensis auf unter sechs Prozent ab. Sogar die Grünen liegen schon besser. "Haider ist ein Pensionistenschreck", sagt Hofinger.

  SPÖ und ÖVP zusammen können sich bei den Alten deshalb auf eine Mehrheit von jenseits der achtzig Prozent freuen - wozu Wendl beitragen will. Ihr um sechs Jahre jüngeres rotes Pendant Broukal kommt wie die meisten ORF-Moderatoren bei den Senioren ebenfalls gut an, fühlt sich für diese aber nicht zuständig. "Wendl war im ,Seniorenclub' der Darling der Pensionisten, mein ,Modern Times' haben eher Schüler und Oberschüler gesehen", sagt Broukal: "Wir kommen aus demselben Sonnensystem, aber von verschiedenen Planeten."

G. J.


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