STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

Nach gut vier Wochen Rauschen im Blätterwald ist er nun im Kino zu sehen: "Haider lebt. 1. April 2021", eine Low-Budget-Produktion des österreichischen Filmemachers, Theaterregisseurs und Schauspielers Peter Kern. Der Film, laut FPÖ Kärnten ein "übles Machwerk über die Ermordung Jörg Haiders, an dem sich auch prominente Repräsentanten der linken Kulturschickeria beteiligten", erzählt in Form einer satirischen Science-Fiction von Österreich an und für sich: von Autoritätsgläubigkeit und koketter Resignation, Vergangenheitsverklärung und, natürlich, auch von der "Wende". Das mittlerweile bekannte Ende ist wohl der schwächste Einfall des Films, der besser ist als sein Ruf - wiewohl die Geschichte eines deutschen Reporters (August Diehl), der im amerikanisch besetzten Wien des Jahres 2021 recherchiert, bisweilen fast an einen Schülerulk erinnert. Aber nur fast. Was "Haider lebt" vom koketten Dilettantismus trennt, sind sowohl seine filmischen Qualitäten - Peter Kern ist ein leidenschaftlicher und wütender Filmemacher, und mit Peter Roehsler zeichnet ein erfahrener Kameramann für die (Video-)Bilder verantwortlich - als auch der inbrünstige Zorn, mit dem Dummheit, Führergeilheit und Selbstgefälligkeit benannt und bestraft werden.

  Punkto politisches Filmschaffen eine weitere Empfehlung: Von 8. bis 14. November zeigt die "Kurdische Filmwoche" im Filmcasino Filme aus und über Kurdistan; darunter "Schwarze Tafeln" von Samira Makhmalbaf. Der Film ist, wie "Reise nach Kandahar" (von Mohsen Makhmalbaf, dem Vater Samiras), ein Beispiel international orientierten Filmschaffens, das geschickt Milieurealismus mit Exotik und politische Kritik mit ästhetischem Arthouse-Appeal vermählt. Diskussion erlaubt und erwünscht!


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