Weißer Rabe, schwarzes Schaf

Kultur | ERICH KLEIN | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

LITERATUR. Ein Gespenst geht um in einem polnischen Dorf: Mit seinem neuen Roman "Galizische Geschichten" festigt Andrzej Stasiuk seinen Ruf als Enfant terrible der Literaturszene. 

Ein weißer Rabe ist ein schwarzes Schaf. Der Nichtsnutz, Outsider, Fremdling und Sündenbock unserer Alltagssprache, dessen Wurzeln in der europäischen Mythologie zu suchen sind, trägt in der Welt der Slawen den Namen des boshaften Tieres: Es steht für diebisches Verhalten, Aufmüpfigkeit, triebhaftes Verhalten und Lügenhaftigkeit - kurz für Freiheit. Andrzej Stasiuk, Erzähler, Romancier und Journalist, 1960 in Warschau geboren, Superstar der polnischen Gegenwartsliteratur mit Kultstatus, gehört offenbar zu dieser Spezies. Ein Schulabbrecher unter Intellektuellen, ein Hippie unter Punks und Kommunisten in den Siebzigerjahren, ein Hooligan unter den Friedensbewegten, in den Achtzigern ein Deserteur aus der polnischen Volksarmee, der zur Strafe mit normalen Gaunern einsitzt, denen die politischen Häftlinge


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