AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

Die Welt ist schlecht und das Leben auf ihr ein Leistungswahn. Flucht wäre eine Möglichkeit, um sich den Anstrengungen des Alltags zu entziehen. Aber wohin, bitte, müsste sie führen? Ins Altersheim, empfiehlt Laurent Graff und demonstriert in seinem Kurzroman "Feierabend" am Beispiel des 35-jährigen Antoine, der sich einen Dauerplatz zwischen pflegebedürftigen Rentnern sichert, dass gewollt kruder Witz mitunter in Verachtung gegenüber gebrechlichen Menschen mündet. Graffs als Sympathieträger gestylter Protagonist erkauft sich das Recht, seine täglichen Leistungen nur mehr an denen seiner bisweilen sechzig Jahre älteren Mitbewohner zu messen. Und bildet sich selbstredend etwas darauf ein, dass er ihnen geistig und körperlich überlegen ist. Man würde Antoine, der sich seine Freiheit nicht einmal selbst erarbeitet hat, hassen, würde er einem in der Realität begegnen. Sein Glück baut auf einem fetten Erbe. Das Einzige, was er je geleistet hat, war, dieses in Selbstschonung


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