KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

Noch nie gab es in Wien so viele gute Galerien wie derzeit. Den alternativen Sektor scheint das weniger zu entmutigen als vielmehr herauszufordern, und so finden sich laufend Menschen zur Eröffnung irgendwelcher Kleingalerien zusammen. Zum Beispiel in der Zieglergasse, wo im pogmahon.art.club jeden Mittwoch Vernissagen stattfinden (bis 18.12.). Den in einem großzügigen ehemaligen Geschäftslokal situierten "Treffpunkt der Freude und des Lachens" betreiben Denise Parizek und Tini Urban ohne Subventionen. Neben einem billigen Buffet wird jede Woche auch preiswerte neue Mode von Wiener Designern geboten.

  Im Vorjahr tauften ein finnischer Diplomat und ein portugiesischer Künstler ihre Wohnung an der Linken Wienzeile "Vienna International Apartment" und organisieren dort seither Ausstellungen. Einen programmatischen Schwerpunkt soll dabei die Erforschung der Grenzen zwischen privater und öffentlicher Sphäre bilden. Unter dem braven Titel "Much Depends on the Viewer" (bis 16.11.) luden Antti Kaski und Silvio Salgado nun wieder neun Künstlerinnen und Künstler ein, ihre Werke zwischen Wohnzimmerbildern und Stilmöbeln zu präsentieren. Die ausgefeilteste Arbeit stammt von der Schwedin Elin Strand. Am Beginn des Videos "Externalising Hidjab" umkreist die Kamera zwei Frauen im Tschador. In der darauffolgenden, sehr sinnlichen Sequenz beginnt eine der Verhüllten, jemanden außerhalb des Bildes zu küssen. Erst allmählich wird die zweite Frau als Liebesobjekt sichtbar. Schließlich fährt die Kamera hinunter auf die schwarzen Rockfalten der Küssenden, die einem geschlossenen Bühnenvorhang gleichen und so auf raffinierte Weise den Schlusspunkt des Filmes setzen.


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