Stadtrand: Asozial, scheißegal

Stadtleben | aus FALTER 45/02 vom 06.11.2002

Sich zum hundertsten Mal über die Bimfahrer zu fuchsen, die wie die gesengten Säue durch die Kurven bolzen, dass es die Insassen nur so hin- und herhaut, ist müßig. Auch zu analysieren, ob diese Fahrorgane das aus Blödheit, Gehässigkeit oder purer Aggression machen, hat wenig Sinn. Aber über die Ignoranz mancher Mitfahrer, quasi Leidensgenossen, kann ich mich noch immer empören. Leute, die soziale Grundregeln des öffentlichen Verkehrs nicht begreifen. Wie dämlich oder asozial ist zum Beispiel jemand, der sich trotz wild kurvender Bim nicht festhalten will und bei jedem Schwenk in mich reinstolpert - nicht einmal, nein, zwei-, dreimal bis zum Schottentor! Danke für diese menschliche Nähe, ich steh nur mehr mit ausgefahrenen Ellbogen in der Bim. Fast noch übler sind aber die Großformatzeitungsleser, die auch im dichtesten Morgengedränge nicht aufs Lesen im Waggon verzichten wollen. Während ich mein Leseverhalten brav dem Platz anpasse - also in der Früh nur Magazine lese -, blättern Menschen wie der große Mann im Trenchcoat ihre Riesenschwarten einfach gerne in meinen Haaren um - der Trenchcoatmensch traktierte mich noch dazu mit der "Bild"-Zeitung. Das ist auch für einen sozialen Menschen echt zu viel.

J. O.


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