Eyes Wide Shut

KARIN CERNY | Kultur | aus FALTER 46/02 vom 13.11.2002

THEATER Helmuth Lohner sagt der Josefstadt Adieu: In Günter Krämers kühler Regie spielt er einen "Menschenfeind", der an der Liebe verzweifelt. 

Als Regisseur ist Günter Krämer der Martin KusÇej der Josefstadt. Immer wenn es darum geht, jemanden zu finden, der die Axt nicht scheut, um damit kühn Schneisen in einen Text zu schlagen und eine stilisierte, moderne Bildersprache zu finden, muss Krämer ran. Noch bevor die Inszenierung von Molières berühmter Gesellschaftskomödie "Der Menschenfeind" (1666) beginnt, ist es für die kuschelige Josefstadt erstaunlich kühl und kahl auf der Bühne. Vor nacktem Hintergrund steht ein leuchtender Tresen. In der "Bar Misanthrope" sind seltsame Zombies mit aufgerissenen, aufgeklebten Augen zu Gast, die zwar ins Leere starren, einander gegenseitig aber nichts schenken.

  Die ersten Worte - das Urteil des "Menschenfeindes" Alceste über ein schlechtes Sonett - gehen in eine Brüllarie über, die sich zugleich über die klappernden Alexandrinerverse

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