Aufgeblättert

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 46/02 vom 13.11.2002

Frauen halten es für echt schlimm, wenn die Aussteuerungsnadel eines Kassettengerätes bei der Aufnahme in den roten Bereich zuckt. Hat Max Goldt einmal geschrieben. "Frauen verstehen keinen Spaß" behauptet ganz apodiktisch der von Daniela Strigl herausgegebene Band der Profile. Warum das so sein soll? Weil sie alles so persönlich nehmen, zitiert Elke Brüns im Eingangstext einen gewissen Toni Parsons aus dem Playboy. Es folgt Dubravka UgresÇic´' Story "Hot dog", die Gogols Erzählung "Die Nase" paraphrasiert, das Riechorgan aber durch einen Penis ersetzt, der einem Schriftsteller abhanden gekommen ist,und nun in einem Hotdog auftaucht. Wenn dieser Text paradigmatisch für weiblichen Humor sein soll, dann hat Parsons vielleicht doch Recht. Die charmanten Textcollagen von Herta Müller und Brigitta Falkners pfiffige Anagramme sind da um einiges witziger. Das mit dem "persönlich nehmen" hat aber was. Frauen über vierzig, stellt Margit Schreiner in ihren kursorischen Ausführungen zum Thema fest, sind sich ihrer Lage halbwegs bewusst, wohingegen selbst nette Männer oft total daneben stehen, sind sie doch "die größeren Verdränger".

  Es ist ein Verdienst des Bandes, dass er mit dem Titel durchaus assoziativ verfährt und über Geschlechterhierarchien im Literaturbetrieb und Strategien weiblicher Dissidenz nachdenkt, anstatt einen Gegenbeweis erbringen zu wollen. Die Komik in Ingeborg Bachmanns Prosa erschließt sich auch nach der Lektüre des entsprechenden Beitrages nicht wirklich, triftiger dagegen Daniela Strigls Aufsatz über den Humor bei Marlen Haushofer. Außerdem ist Humor-Skepsis ohnedies angebracht, gehört dieser doch "zu den Tugenden der Angepassten" (Ilse Aichinger).

Daniela Strigl (Hrsg.): Frauen verstehen keinen Spaß. Profile, Bd. 9. Wien 2002 (Zsolnay). 248 S., E 18,40

Am 13.11., 18 Uhr, wird der Band im Kleinen Vortragssaal des Wiener Rathauses präsentiert. Es diskutieren Daniela Strigl, Margret Kreidl, Christine Schmidjell, Margit Schreiner und Klaus Nüchtern.


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