Stadtrand: Musik zum Träumen

Stadtleben | aus FALTER 46/02 vom 13.11.2002

Wahrscheinlich ist es den wenigsten wirklich aufgefallen (und wahrscheinlich sind sie den wenigsten so wirklich abgegangen), aber Straßenmusiker aus Lateinamerika sind schon länger aus dem Stadtbild verschwunden. Nun nerven die bunt beponchoten Indio-Panflöten-Orchester wohl in Fußgängerzonen anderswo, in Wien jedenfalls nicht mehr. Bis jetzt. Neu ist dafür der Panflöten-Solokünstler mit südamerikanischer Herkunftskultur. Und er ist viele! An strategisch günstigen Punkten - lange Wartezeiten auf Bus oder Grünphase, wenig Konkurrenz, gute Akustik - baut er nicht nur sich und seine Panflöte auf, sondern auch Mikrofon und Soundanlage. Der Pansolist lässt sich nämlich vom Halbplayback begleiten und mit Echoeffekt verstärken. Und gespielt wird nicht mehr hektische Anden-Polka, sondern eher so etwas wie "Musik zum Träumen". Oder gleich "Melodien zum Meditieren" - also sowas von ideal für den Einsatz auf der Straße. Die "Let it be"-Coverversion mit 45 bpm, "Greensleeves" noch eine Spur verlangsamt? Bitte nicht. Das trägt zwar ganz bestimmt zur oft geforderten Entschleunigung der Gesellschaft bei. Aber eigentlich sollte jeder selbst entscheiden, ob er gerade den Soundtrack für eine Seelenmassage, Tantrasex oder autogenes Training nötig hat. C. W.


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