STANDPUNKT: Zurück im Sumpf

Politik | aus FALTER 47/02 vom 20.11.2002

Freitagabend tief unten in einem Wiener Kellerlokal: Der Wiener FP-Spitzenkandidat Herbert Scheibner kämpft um Wählerstimmen. Gekommen sind etwa einhundert Sympathisanten. Und zwar die, die die FPÖ auch noch wählen würden, wenn es sie gar nicht mehr gäbe. Weil nichts halbwegs Demokratisches für sie eine Alternative wäre. Sie halten den Freiheitlichen auch noch die Stange, wenn die einstige Erfolgspartei unter die 10-Prozent-Marke rutscht. Und natürlich sind sie auch dort, weil die Freiheitlichen ihnen Bier- und Gulaschgutscheine spendieren. Manche wollen aber trotzdem über Politik sprechen: "Der größte Holocaust war der, den die Amerikaner an unserem Volk verübt haben", schreit ein zittriger alter Mann, der selbst dabei war und "den Krieg von A bis Z kennt" in einer Frage- und Antwortrunde mit dem Minister ins Mikro. Der Saal tobt vor Freude über die klaren Worte. Herbert Scheibner fällt als Antwort dazu nur ein, dass man zu "den guten und den schlechten Seiten der Geschichte" stehen müsse. Sonst nichts. Schließlich will man es sich nicht auch noch mit den letzten treuen Anhängern verscherzen. Auch als über Ausländer geschimpft wird, hört der Spitzenkandidat freundlich lächelnd zu. Die Sympathisanten sind glücklich. Jetzt ist ihre Partei wieder so, wie sie sie immer haben wollten. Jetzt wird endlich wieder Tacheles geredet. N. H.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige