WELT IM ZITAT

Kultur | aus FALTER 47/02 vom 20.11.2002

Der unbekannte Schüssel

Döblings Langzeitbezirksvorsteher Adi Tiller - seit 1978 im Amt, insgesamt sechs Mal zum ersten Bürger des 19. Bezirks gewählt und längst auch einigen von uns zum persönlichen Freund geworden - hatte die Idee, "den Wolfgang dort zu besuchen, wo er arbeitet". Nämlich im Bundeskanzleramt am Ballhausplatz. Und irgendwie war es selbstverständlich, dass er auch so etwas wie Delegationsleiter war.

Für gute Ideen ist die Wiener Bezirkszeitung immer zu haben. Noch dazu, da die Redaktion mit Wolfgang Schüssel ohnedies schon eine lange gemeinsame Geschichte verbindet. Es ist schon wieder mehr als ein Vierteljahrhundert her, als wir einander zum ersten Mal sahen. (...) Der freundschaftliche Kontakt zum heutigen Bundeskanzler blieb bis heute erhalten. Er ist einer, der Freundschaften pflegt, ohne aber ins Kumpelhafte abzugleiten.

Und so wurde es zum lieben Brauch, Wolfgang Schüssel unter großem Hallo zu besuchen, wenn er ein neues Büro bezogen hatte:

Als er Wirtschaftsminister wurde, lud er Sandra Ritzberger ins Ministerium ein und zeigte ihr stolz seinen Arbeitsbereich mit den vielen innovativen und für den oberflächlichen Betrachter etwas skurril wirkenden Möbeln. Fast schadenfroh beobachtete er, wie unsere Sandra Ritzberger nicht so recht wusste, ob die Bilder gar verkehrt aufgehängt oder die Sitzmöbel keine waren.

Doch Spaß beiseite. Wie ist der Kanzler wirklich, Herr Tiller?

"Der Wolfgang ist auch im Ausland respektiert und anerkannt", sagt er und ergänzt, dass im Bericht des Besuchs am Ballhausplatz die vielen Talente des Regierungschefs erwähnt werden müssen. Dass er druckreif spricht, dass seine Stimme Rundfunk erprobt ist, dass er sich als Karikaturist sicher auch die Butter aufs Brot verdienen könnte, dass er ein unglaublich musikalischer Mensch ist - das alles und noch mehr soll unbedingt erwähnt werden.

Was wir somit getan haben.


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