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Kultur | GERHARD STÖGER | aus FALTER 47/02 vom 20.11.2002

Nena ist ein sympathischer Mensch mit einer tollen Stimme. Ihre aktuelle Rückschau auf zwei Karrieredekaden enttäuscht mit "20 Jahre - Nena feat. Nena" (Warner) aber insofern, als alle 14 Stücke neu aufgenommen und "erwachsener" arrangiert wurden, wobei diese Versionen leider nicht selten wie unlustige Persiflagen der Originale klingen. Auch Element Of Crime blicken zurück, verzichten dabei aber auf jegliche Experimente. Die Berliner verteilen 26 Stücke auf die separat erhältlichen CDs "1985-1990" und "1991-1996" (Motor/Universal). Trotz des in den späten Achtzigern erfolgten Wechsels vom englischen zum deutschen Gesang lässt sich eine gewisse Selbstähnlichkeit nicht leugnen; gleichzeitig liegt gerade in der stoischen Monotonie ein wesentlicher Reiz von Sven Regeners lakonischen Chansons.

Weniger ansprechend ist die hohe Wiedererkennbarkeit des Düsseldorfer Unterhaltungskonzerns Die Toten Hosen, die mit "Reich & Sexy II - Die fetten Jahre" (JKP/Warner) ihr 20-jähriges Bestehen feiern und sich am Cover - Achtung: Hosen-Humor! - hüllenlos unter 75 ebenfalls nackten Frauen präsentieren. Die erste CD enthält alle prolligen Gassenhauer der letzten zehn Jahre; die zweite bietet unter dem Titel "Perlen vor die Säue" eine allenfalls für Fans interessante Raritätensammlung.

Wie die Toten Hosen wurden auch Die Goldenen Zitronen, die nun schon seit 18 Jahren bestehen, einst aus einem ironiefähigen Verständnis von Punk geboren. Während sich Campino & Co aber zusehends vom Spaß in Richtung Suff und Stumpfsinn verabschiedeten, fanden die Hamburger zu einer überzeugenden Umsetzung linksradikaler Inhalte im Format des Popsongs. Analog dazu entwickelten sie auch musikalisch eine aufregende Komplexität. Ihre ebenfalls als Doppel-CD erschienene Kompilation "Aussage gegen Aussage" (Buback/Ixthuluh) zeichnet diesen Weg nach und erinnert nebenbei mit diversen alten Krachern nachdrücklich daran, wie leiwand eigentlich auch der überdrehte Fun-Punk der frühen Jahre war.


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