NÜCHTERN BETRACHTET_ Schluss mit lustig (der Sonntagsausflug)

Kultur | aus FALTER 47/02 vom 20.11.2002

Kinder sind Parteigänger des Lustprinzips. Sie haben es ja auch lange Zeit genug lustig gehabt - nichts als Brüste, Teddybären und Premiensparbücher, die in ihrem Namen abgeschlossen werden. Eltern sind dazu da, Kinder sanft unters Joch des Realitätsprinzips zu zwingen, damit die sich dann später nicht zu lebhaft daran erinnern, wie lustig es früher war, und glauben, dass es ein Leben lang so weitergeht mit Brüsten, Teddybären und Premiensparbüchern. Und deswegen gibt es den Sonntagsausflug. Der Sonntagsausflug ist lustig. Behaupten die von parentaler Amnesie geschlagenen Eltern. In Wirklichkeit ist der Sonntagsausflug eine der ältesten Disziplinierungstechniken der Menschheit. Er hat unsere Zivilisation gesichert und dafür gesorgt, dass wir heute mit Messer und Gabel essen können, bei Hochzeitsfeiern darauf verzichten, die Braut oder den Bräutigam anzubaggern, und es in schätzungsweise zwei Jahrtausenden auch schaffen werden, Rolltreppen richtig zu benützen (links gehen,


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