Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 47/02 vom 20.11.2002

Zwei derzeit in Wien laufende Ausstellungen versammeln Arbeiten von jungen Künstlerinnen und Künstlern, sozusagen "Schülern", um einen bereits etablierten Künstler, sozusagen einen "Meister". Dieses Verhältnis wird dabei sehr unterschiedlich in Szene gesetzt. Die Ausstellung "Parlez-vous français?" in der Galerie Hohenlohe & Kalb (bis 29.11.) besteht aus Werken von Mitarbeitern von Franz West, Teilnehmern an einem Workshop des Wieners in Paris und sonst irgendwie dazupassenden Künstlern. West, Jahrgang 1947, gestaltet zusammen mit seiner Lebensgefährtin Tamuna Sirbiladze, Jahrgang 1971, eine Installation. Die Arbeit wird als eine unter anderen präsentiert. Einen sehr witzigen Abgesang auf das Junggesellendasein inszeniert ein anderer Franz: Auf den vielen Fotos, die Franz Kapfer auf einen drehbaren Schirm gedruckt hat, kämpft der Künstler mit einem absurden, busenförmigen Helm und einem Schwert gegen seine schwangere Freundin - keine Frage, dass der Don Quijote unterliegt.

  Der Begriff "Schule" für Künstler, die dem Stil ihrer Lehrer treu bleiben, wird heute nur mehr selten verwendet. Oft hört man ihn noch in Zusammenhang mit ehemaligen Studenten der Dokumentarfotografen Hilla und Bernd Becher. Obwohl bei seinen Bildern gerade Verfremdung die Hauptsache darstellt, wird auch Thomas Ruff stets der Becher-Schule zugerechnet. Die Akademie der bildenden Künste zeigt mit "l.m.v.d.r." (bis 19.1.) nun eine von Ruffs bekanntesten Serien, in der er sich mit der Architektur Mies van der Rohes auseinander setzt. Wer von den großen Fotografien der Säulenhalle in die hinteren Ausstellungsräume weiterwandert, trifft dort auf Arbeiten, die Akademiestudenten bei einer Amerika-Exkursion von Mies van der Rohes US-Bauten gemacht haben. In dieser räumlichen Aufteilung können die kleinformatigen Studentenarbeiten nur verlieren. Und wo Ruffs bearbeitete Bilder an die Filme David Lynchs erinnern, müssen die eher dokumentarischen Fotos der "Studis" notgedrungen bieder wirken.


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