STREIFENWEISE

MICHAEL LOEBENSTEIN
Kultur, FALTER 48/02 vom 27.11.2002

Vom belgisch-französisch-österreichisch produzierten Fernsehfeature "Kronen Zeitung - Tag für Tag ein Boulevardstück" war im Falter schon des Öfteren die Rede, und das zu Recht - legt doch in Nathalie Borgers nüchternem Sechzigminüter die Krone-Belegschaft selbst Zeugnis davon ab, wie ein Land, eine Medienpolitik, ein denkbar tragischer Begriff von Öffentlichkeit funktioniert. Der Film ist jetzt - nach seiner Ausstrahlung auf Arte - zwei Wochen lang im Votiv zu sehen, seine Protagonisten werden uns wohl länger erhalten bleiben; denn eine Folge der Ansicht dieser Reportage ist beispielsweise, dass man ein mulmiges Gefühl bekommt, wenn der Bundespräsident davon spricht, sich vor einer neuen Regierungsbildung zu "Gesprächen zu treffen". Dass in der Krone seit Fertigstellung des Films das Arte-Programm fehlt, ist sicher bloß Zufall.

  Apropos kulturelles Klima: Die Fünfziger- und Sechzigerjahre brachten nicht nur die letzte ÖVP-Mehrheit, sondern auch die Anfänge des österreichischen

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