SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY, WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 48/02 vom 27.11.2002

Wenn nichts mehr geht, geht es erst so richtig los: Auf eine Leinwand ist das Wort "Fin" projiziert, das Ensemble bewegt sich wie auf einem Videoband, das zurückgespult wird. Für "Rien ne va plus" hat sich das Tanztheater Homunculus erstmals einen Gastchoreographen geholt, und der sonst an der Wiener Staatsoper engagierte Nikolaus Adler war sichtlich mit Elan an der Arbeit. Lose wird der Antigone-Mythos herbeizitiert, aber das Erfrischende an diesem Abend ist, dass hier jemand ohne Scheu vor großen Gefühlen (aber auch ohne falsches Pathos) Alltagsgeschichten erzählt, bei denen Tanz und Theater Hand in Hand gehen: Menschen begegnen und verlieren einander wieder, eine Zigarettenpause wird angedeutet, eine Tänzerin singt Talking Heads: "Heaven is a place, where nothing ever happens ..." Die weiträumige Halle 1030, die Anfang nächsten Jahres leider abgerissen werden soll, ist der ideale Ort dafür. Dass so viel geht, hätte man gar nicht erwartet: der zur Zeit beste Tanzabend der Stadt.

  Der vermutlich schnellste Theaterabend des Jahres hatte im Volkstheater Premiere: Gerade einmal siebzig Minuten dauert der Schulbuchklassiker "Biedermann und die Brandstifter" in der Inszenierung von Anselm Weber, der hier vor zwei Jahren mit dem spanischen Stück "Das Blut" erfolgreich war. Die entsprechend gesteigerten Erwartungen erfüllt der kurze Abend nicht: Max Frischs "Lehrstück ohne Lehre" wurde nicht nur das Pathos, sondern auch der Witz ausgetrieben; Toni Böhm als Biedermann fremdelt in einer Rolle, die ihm eigentlich auf den Leib geschnitten sein müsste.

  Die beste Theateraufführung der vergangenen Wochen stand leider nur wenige Tage auf dem Spielplan: Das Grazer Theater im Bahnhof gastierte mit dem steirischen Katastrophenstück "Die Orangenpflücker" im dietheater Konzerthaus und demonstrierte wieder einmal, wie einfach intelligente Unterhaltung sein kann - wenn mans kann. Kommt bald wieder, Grazer Freunde! Ihr werdet hier gebraucht.


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