Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 48/02 vom 27.11.2002

Wer hätte das gedacht: Mit über zwei Millionen historischen und zeitgenössischen Fotografien besitzt die Österreichische Nationalbibliothek (ÖNB) die größte Fotosammlung des Landes - eine gigantische Menge im Vergleich zu der rund 70.000 Objekte umfassenden Fotosammlung der Albertina. Zu sehen war davon bisher jedoch so gut wie nichts. Bevor nun die Albertina Mitte März 2003 wieder eröffnet und zum Auftakt (neben einer Edvard-Munch-Schau) die Ausstellung "Die Geschichte der Fotografie" zeigt, präsentiert die ÖNB bereits jetzt mit der Ausstellung "Im Blickpunkt" eine Auswahl aus ihren Beständen, die auch langjährige Forschung dokumentiert (bis 26.11.2003).

  Natürlich hat sich schon die Kaiserfamilie gerne ablichten lassen, und aus den Familienalben der Habsburger stammen auch einige der frühesten der quer durch die Geschichte reichenden 240 gezeigten Objekte. Eines der ältesten Fotoverfahren stellt die um 1839 erfundene Daguerrotypie dar; die damals auf Kupferplatten fixierten Bilder sind aber eher selten zu sehen. Die Ausstellung umfasst auch zwei Daguerrotypien aus dem Jahr 1840 mit mexikanischen Motiven, und einer der fünfzehn (!) Texte des sehr interessanten Kataloges geht der Herkunft dieser samt Originaletui erhaltenen Exponate nach. 1939 wurde das ÖNB-Bildarchiv gegründet, das sich zwar eindeutig dem Porträt als Schwerpunkt widmete, für das aber auch Archive und Nachlässe erworben wurden. So stechen in der Ausstellung besonders die zwischen 1907 und 1912 entstandenen impressionistischen Autochromeplatten (ein Vorläufer der Farbfotografie) von Heinrich Kühn sowie die tollen Fotos von Lucca Chmel (1911-1999), der bedeutendsten Architekturfotografin der Nachkriegszeit, heraus.


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