Mittellos, würdelos

Stadtleben | JULIA ORTNER | aus FALTER 48/02 vom 27.11.2002

ARMUT. Viele sehen nur die offensichtlich armen Obdachlosen auf der Straße, dafür spenden sie gerne einmal jährlich vor Weihnachten. Die immer zahlreicheren versteckten Armen der Stadt sehen sie nicht. 

Die eigene Wohnungstür hinter sich zumachen können, in der eigenen Küche herumpatzen, im eigenen Badezimmer pritscheln - selbstverständlich, wie die anderen auch: Für Manuela Ünlü war das eine Zeit lang nichts Selbstverständliches. Eine Zeit, in der die 38-Jährige erlebt hat, was es heißt, arm zu sein, allein gelassen mit zwei Kindern und einem Haufen Schulden auf der Straße zu stehen. "Ich habe mich bemüht, mich nicht fallen zu lassen", erzählt die Frau heute. Ünlü wollte nicht als bemitleidenswerter Sozialfall betrachtet werden - nach außen war sie einfach eine allein erziehende Mutter von vielen, eine Frau, die eben jeden Cent umdrehen musste. Dass sie mit ihren beiden Kindern vier Jahre in der städtischen Familienherberge in der Kastanienallee gelebt hat, wussten


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