Mehr als Kolonialwaren

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 48/02 vom 27.11.2002

Weltlade.n Politisch korrekt einkaufen kann trotzdem ganz lustvoll sein.

Ja, Nicaragua-Kaffee gibt es noch im Weltladen. Und Hängematten aus dem südamerikanischen Land auch. Aber nicht nur.

Lange Zeit hatten die Weltläden ein Image, das sich irgendwo zwischen esoterisch und improvisiert bewegte. Improvisiert ist allerdings nichts mehr im Weltladen im achten Bezirk, einem Geschäft das es hier seit 13 Jahren gibt und das direkt der Importorganisation für fairen Handel EZA gehört. Esoteriker finden hier zwar sicher trotzdem noch Dinge für ihren Alltag, das Angebot hat sich jedoch schwer gewandelt. "Wir sehen unsere Aufgabe vor allem im Dialog mit den jeweiligen Produzenten", umschreibt Karin Lebelhuber eine der Säulen des fairen Handelns. So werden Ernten vorfinanziert - was auch Risikoübernahme im Falle von Missernten beinhaltet. Dialog heißt aber auch, dass beispielsweise Produzenten von Kleidung aus Alpaccawolle in Peru erfahren, welche Farben in Europa gerade angesagt sind und welche überhaupt nicht. Am Angebot im Weltladen ist zu erkennen, dass die feinen Mützen, Schals oder Pullis gut geordert wurden.

Traditionell wird im Weltladen auch viel Kunsthandwerk angeboten. Allerdings steht auch hier nicht nur der gute Wille im Vordergrund, sondern auch Stil und Qualität: Edle Sushi-Sets aus lackiertem Bambus aus Vietnam zum Beispiel, feine Keramik aus Peru oder Modeschmuck aus Indien. Aus Ghana kommen so genannte Königshocker, aus schwarzem Holz geschnitzt. Insgesamt sind die Preise gemäßigt. Und wer hier kauft, kann sich sicher sein, dass die Produzenten all der schönen Dinge nicht übers Ohr gehaut werden. Natürlich gibts auch die Weltladen-Klassiker, typische "Kolonialwaren" wie Tee, Kaffee, Schokolade. Aber wer hätte schon einen tollen kubanischen Rum namens "Liberación" erwartet? q

EZA-Weltladen, 8., Lerchenfelder Str. 18-24, Tel. 408 39 96, Mo-Fr 10-13 u. 14-18, Sa 10-18 Uhr.


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