Kafka bleibt am Boden

KLAUS NÜCHTERN | Kultur | aus FALTER 49/02 vom 04.12.2002

LITERATUR & FLUGKUNST. "Die Flugschau von Brescia" von 1909 war prominent besucht: Peter Demetz erzählt, was Gabriele d'Annunzio, Franz Kafka und Giacomo Puccini dort getrieben und gesehen haben. 

Der 11. September war ein bedeutender Tag in der Geschichte des Flugwesens. Aber nicht so sehr die Ereignisse selbst, sondern deren Wahrnehmung machen ihn zu einem historischen Datum: Bei ruhigem Wetter konnte der italienische Dichterfürst Gabriele d'Annunzio seinen ersten Flug unternehmen - was im Jahr 1909 noch eine Sensation war, auch wenn man sich dabei mitunter kaum oder nur wenige Meter vom Erdboden entfernte. D'Annunzio war dennoch aus dem Häuschen: "Fliegen ist göttlich", erklärte er der Presse, nachdem er am Nachmittag mit dem US-Rekordflieger Glenn Curtiss mehr übers Feld geholpert denn geflogen war, sich am Abend dann aber schließlich an Bord der Maschine des italienischen Lokal-Helden Leutnant Mario Calderara zehn Meter in die Lüfte erhoben hatte (den Höhenbewerb vermochte

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