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Kultur | KLAUS KASTBERGER | aus FALTER 49/02 vom 04.12.2002

ZUM GEBURTSTAG. Am 6. Dezember wird Peter Handke sechzig. Eine Biografie ist rechtzeitig erschienen, ein Ehrendoktor verteilt, Interviews werden verweigert, und die Medien sind immer noch böse. 

Manchmal denke ich mit Wehmut an mein Germanistikstudium zurück. In einer der ersten Proseminarstunden erklärte uns ein Dozent den Unterschied zwischen Thomas Bernhard und Peter Handke. Bernhard, so meinte der Dozent, werde es wohl nie in den Kanon schaffen, weil er in seinen Büchern immer nur das Gleiche mache. Peter Handke hingegen habe sich dem Prinzip der literarischen Innovation verschrieben. Ein Platz im Olymp der deutschsprachigen, wenn nicht gar Weltliteratur sei ihm gewiss.

  Zwanzig Jahre später ist klar, dass der Dozent flächendeckend Unrecht behalten hat, und zwar nicht so sehr, was sein Urteil über die beiden Autoren, sondern vor allem, was seine Auffassung von Kanonisierung betrifft. Der Kanon wird nicht im klinischen Umfeld akademischer Institutionen, sondern von Leuten


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