Warten auf das Licht

Kultur | STEFAN ENDER | aus FALTER 49/02 vom 04.12.2002

KÜNSTLER-AUTOBIOGRAFIE. In "Die jungen Jahre" wirft der südafrikanische Schriftsteller J.M. Coetzee einen distanzierten Blick auf die eigene freudlose Adoleszenz. 

"Er": Dass der südafrikanische Autor J.M.Coetzee den Protagonisten seines autobiografischen Werks "Die jungen Jahre" in der dritten Person beschreibt, ist bezeichnend, wie auch die Wahl der Erzählzeit, das Präsens. Die Distanz, die Coetzee solcherart zu seinem literarischen Alter Ego schafft, findet ihre Entsprechung in der Distanz, die dieser gegenüber der eigenen Person empfindet. Nur zwei-, drei Mal erlaubt sich Coetzee die Erwähnung seines Namens: John. Die schlichte, gebrauchsorientierte Sprache, kombiniert mit der selten verwendeten Form des erzählenden Präsens, rückt den belletristischen Rückblick des 62-Jährigen in die Nähe eines nüchternen Erinnerungsprotokolls: "Er hat eine Einzimmerwohnung nicht weit vom Mowbray-Bahnhof und zahlt dafür elf Pfund im Monat", beginnt die literarische Eigenschau.

  "Er"


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