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Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 49/02 vom 04.12.2002

Die meisten Fernsehtalkshows sind Schrott. Das ist weder eine besonders originelle noch eine neue Erkenntnis; erstaunlich nur, dass Theater es gerne als Sendungsauftrag begreift, Fernsehkritik zu betreiben. Ob es dafür das geeignete Medium ist, muss man nach der neuen Produktion des Bernhard Ensembles erneut infrage stellen. "Die Megatoll Show" im dietheater Künstlerhaus führt im ersten Teil hinter die Kulissen des Gewerbes - die Kandidaten müssen fit gemacht werden. Im zweiten Teil, der eigentlichen Show, geraten Biografien, die zuvor ohnehin bereits auf- oder abfrisiert wurden (je nach Kategorie Held oder Schicksal der Woche), durcheinander. In einer Mischung aus Kabarett und Boulevard überrascht vor allem, wie sehr Grischka Voss in einer Hosenrolle ihrem Vater ähnlich sieht. Kajetan Dick kann seine Ekelqualitäten gut ausspielen. Sonst wird einem an diesem harmlos klamaukigen Abend, der sich über drei Stunden hinzieht, wieder einmal klar, dass Theater im Grunde einiges vom TV lernen könnte: Nur zu wenig macht süchtig.

  Die meisten Gothic Stories sind wie Kochrezepte: Man nehme eine unheimliche Landschaft, eine nicht erklärbare Erscheinung und verrühre sie so, dass es ein paar überraschende Wendungen gibt. "Die Frau in Schwarz" von Stephen Mallatratt, geschrieben 1987 nach einem Roman von Susan Hill, hätte auch schon Jahrzehnte früher erscheinen können. Der Text ist denkbar altmodisch, was vielleicht gerade sein Charme ist. Angst bekommt man in der Gruppe 80 aber nur so viel wie beim Gucken eines Horrorzeichentricks im Kinderkanal. Regisseur Erhard Pauer zeigt mit seinen Darstellern (Oliver Huether und Jörg Stelling), die eine Art Psychodrama zur Konfliktbewältigung aufführen, wie wenig Theater an Ausstattung braucht: Stellen Sie sich vor, die beiden Stühle sind eine Kutsche ... Ein liebenswert nostalgischer, aber etwas zu berechenbarer Abend, der daran erinnert, wie man als Kind unterm Tisch in eine geheimnisvolle Welt abgetaucht ist.


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