Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 49/02 vom 04.12.2002

Schon seit einiger Zeit betreibt Ursula Krinzinger parallel zu ihrer Innenstadtgalerie eine Dependance in Neubau. Die derzeit in den großzügigen Räumen von Krinzinger Projekte (Schottenfeldgasse 45) gezeigte Gruppenschau führt ziemlich in die Irre: Der Ausstellungstitel "Political Correct? Dutch!" liest sich so, als würden holländische Künstler gezeigt, die sich nicht um politische Korrektheit scheren. Bilder von Pim Fortuyn und vom einstürzenden World Trade Center im Umschlag des kleinen Katalogs verstärken diesen Eindruck. Bei etlichen Bildern springen einen gleich die sexuellen Motive an, und in mehreren Arbeiten kommen "people of colour" vor.

  Wie zu erwarten, handelt es sich hier aber nicht um eine Ausstellung rechter Holländer, die rassistische und sexistische Kunst machen, sondern ganz im Gegenteil will der Kurator Roel Arkesteijn eine spezifisch niederländische, frech-sinnlich-ironische Verarbeitung von politischen Themen vorführen. Für einen solchen provokanten Zugang wurde schon Joep van Lieshout bekannt, von dem hier plumpe Gruppensexzeichnungen sowie ein Klo und zwei Pranger aus Holz gezeigt werden. Sein 1968 geborener Namenskollege Erik van Lieshout baut aus Einkaufswagerln einen Tunnel in den Ausstellungsraum; außerdem sind seine Collagen aus TV-Motiven zu sehen, in denen er etwa Arafat mit "Bin Shopping" untertitelt. Eine vielschichtigere Arbeit stammt von Tiong Ang, der in dem Video "Mockery (Projections)" zusammen mit einem senegalesischen Freund auftritt, hinter dessen genial improvisierten Plattitüden zum chinesischen und afrikanischen Wesen sich der in Holland aufgewachsene Indonesier versteckt (bis 14.12.).


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