Unter Geiern

Stadtleben | MATTHIAS DUSINI | aus FALTER 49/02 vom 04.12.2002

ARISIERUNG. Der Journalist und Architekt Stephan Templ macht Führungen zu Wiener Architekturdenkmälern, die Juden geraubt wurden. Gerade hat der Aufdecker ein Schiele-Bild aus dem Dorotheum als vermeintliches Stück Raubkunst geoutet. 

Ein ganz normaler Arbeitstag im Leben des Stephan Templ beginnt um neun Uhr auf dem Grundbuchamt in der Riemergasse im 1. Bezirk. Die Beamtin händigt ihm freundlich lächelnd den Archivschlüssel aus. Sie weiß, warum er hier ist. Ein halbes Jahr kam er jeden Tag, um für das mittlerweile unter dem Titel "Unser Wien - ,Arisierung' auf österreichisch" erschienene Buch zu recherchieren.

  An die 1300 Wiener Liegenschaften hat der Architekt Templ, der eigentlich in Prag lebt, wo er als Feuilletonist für die FAZ und die Neue Zürcher Zeitung tätig ist, in den Archiven des Grauens inzwischen unter die Lupe genommen: Das Riesenrad im Prater, das von Adolf Loos ausgestattete Modegeschäft Knize am Graben oder das Hotel Imperial sind drei Objekte, die jeder


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