VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

... wurde eine Diskussion zum Thema "Apartheid in Mitteleuropa? Sprachen- und Kulturpolitik in Südtirol" in der Alten Schmiede angekündigt.

Dort soll Apartheid sein? Mitten in Europa, im Südtirol der Achtzigerjahre? Dort, wo deutsch-, italienisch- und ladinischsprachige Südtiroler gerade das zehnjährige Jubiläum einer brauchbaren Autonomie feiern könnten, würde da nicht die leidige Rezession den Spaß verderben?

  Man braucht nur ein wenig hinter die Bilderbuchfassade Südtirols zu schauen um die Linien der Apartheidpolitik in der Gesellschaft zu erkennen: hier deutsch, da "walsch" (= italienisch), die Ladiner mit den Stärkeren! Die Täler sind deutsch, die Berge sowieso, die Städte fifty-fifty, es gibt italienische Viertel und deutsche. Apartheid - in Südtirol bedeutet dies den Versuch, deutsche und italienische Aktivitäten und Institutionen möglichst ohne Berührung nebeneinander herlaufen zu lassen, Arbeit, Wirtschaft und Kultur möglichst klar ethnisch zu trennen.

  Die herrschende Politik fördert diese Spaltung, nährt die Spannungen und verschärft die wirtschaftliche Krise.


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