Plaudern und Papierln

GERALD JOHN und EVA WEISSENBERGER | Politik | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

VERHANDELN. Hinhalten, dramatisieren, provozieren - bei der Regierungsbildung lassen die Parteien keinen Kniff aus. Das kann dauern: Vor März wird die neue Koalition nicht arbeiten. 

Wolfgang Schüssel war nicht bei der Sache. Zumindest wirkte er so. Nur selten blickte er zu seinen Gesprächspartnern auf, die meiste Zeit kritzelte er irgendetwas auf kleine Kartonkärtchen. Ihm gegenüber wetzten die SPÖ-Granden schon auf ihren Sesseln, der Kanzler, die Minister, die Länderchefs. Sie waren angeschlagen. Die Wahlen 1999 hatten die Sozialdemokraten verloren, nun versuchten sie verzweifelt, wenigstens eine Regierung aufzustellen. Und dann zeichnet dieses "Propellermascherl" (Michael Häupl) mitten in den Verhandlungen Weihnachtskarten.

  Schüssel in Bestform. Schüssel, wie ihn die Sozis hassen: ein Meister der Provokation, der die Roten bei den Koalitionsverhandlungen vor drei Jahren solange reizte, bis dem Gewerkschafter Rudolf Nürnberger der Kragen platzte.

  Auch im Advent 2002

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