FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

An sich habe ich ja für Männer wie Thomas Gottschalk Verständnis: Männer über Fünfzig, die ihr schütteres Haar böse toupieren und blondieren, die voller Panik altern, genauso wie ihre Shows auch nicht mehr ganz frisch ausschauen. Nur bei allem Mitgefühl: Altern ohne Würde ist jämmerlich. Komplett würdelos ist es zum Beispiel für den letzten großen Samstagabendshow-Mann im deutschen Sprachraum - früher ein witziger Typ -, sich eine super PR und eine Spitzenquote wie in alten Zeiten mit einem halblustigen Besuch im Bordell zu erkaufen. Ganz wurscht, ob der "Wetten dass"-Onkel als Bischof Nikolo oder ordinärer Weihnachtsmann verkleidet ins Puff marschiert, da geht es nicht um Religion, sondern um Geschmack. Es passt nicht zu dem spießigen Samstagabendformat "Wetten Dass", anzüglich-onkelhafte Witzchen mit Nutten zu reißen und gleichzeitig auch noch einen auf nachdenkliche Medienkritik zu machen. "Leute, das ist ein schmutziges Geschäft, aber ich versuche, es mit Stil zu machen", sagte Gottschalk im Medienrummel rund um seinen Bordell-Abstecher. Stil und Altern in Würde lernt man von anderen Männern, Herr Gottschalk: Schauen Sie sich mal Bryan Ferry an.


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