SPIELPLAN

Kultur | PETRA RATHMANNER | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

Warum bringt jemand eine befremdliche Episode aus einem überspannten Film auf die Bühne? Die Produktion "One room out of 4" im Schikaneder bleibt die Antwort schuldig. Der Film, der die jungen Schauspieler inspiriert hat, ist "Four Rooms", ein Flop aus dem Jahr 1995. Für die trashige Actionkomödie haben vier Regisseure, darunter Quentin Tarantino, je eine Hotelzimmer-Episode verfilmt. Für die Bühnenfassung hat sich Regisseurin Ganahl Ines die brutalste Szene ausgesucht: Ein etwas dümmlicher Hotelboy wird unvermutet in einen Ehekrieg verwickelt. Der Mann bedroht seine an den Rollstuhl gefesselte Frau und beschuldigt sie grundlos, ein Verhältnis mit dem Hotelboy zu haben. Ein aus der Luft gegriffenes Eifersuchtsdrama entfaltet sich, das sich vor allem dadurch auszeichnet, dass die drei Schauspieler einander unentwegt anbrüllen. Die Katastrophe ereilt alle drei, doch die Motive für dieses Psychodrama bleiben schleierhaft.

  Warum bringt jemand einen mystisch-okkulten Roman, einen Klassiker der Fantasy-Literatur, auf die Bühne? Eine Antwort liefert die Aufführung von Gustav Meyrinks "Walpurgisnacht" im Theater Brett keineswegs. Meyrink, der Bürgerschreck von Prag, schildert in seinem Roman einen kommunistischen Aufstand der Prager Bevölkerung gegen die Fürsten im Hradschin; die Revolte ist allerdings mit Geistern und anderen überirdischen Erscheinungen rund um die Walpurgisnacht verflochten. Die Inszenierung von Marius Pasetti, die einen anfangs durch die böhmisch-deutsch akzentuierte Kunstsprache der Schauspieler einnimmt, verliert sich zusehends im Wirrwarr der Handlung. Ratlos verfolgt man eine Aufführung, die sich über zwei Stunden in die Länge zieht und an das experimentelle Theater der Siebzigerjahre erinnert: Geister haben hier noch weiße Nachthemden an, Arbeiterlieder werden in geschlossener Formation mit erhobener Faust gesungen, und wer Angst hat, schlottert in überdeutlicher Pantomime am ganzen Leib.


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