Selbstmörder leben länger

GERHARD STÖGER | Kultur | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

MUSIK. Auch nach drei Karrieredekaden klingen die Elektro-Punk-Pioniere Suicide auf ihrem neuen Album "American Supreme" kraftvoller, frischer und verstörender als viele ihrer jungen Epigonen. 

Alan Vega und Martin Rev vom New Yorker Duo Suicide geben sich in den Linernotes ihrer kürzlich veröffentlichten neuen CD "American Supreme" kulturpessimistisch: "Längst aufgelöste Bands reformieren sich wieder", heißt es da, "das Alte' wird zum Neuen', und losgelöst von ihrem historischen Kontext verlieren die alten Sounds jegliche Bedeutung. Die Vergangenheit wurde restlos geplündert und die Zukunft zu einer reinen Retroveranstaltung gemacht."

  Verfasst wurden die Linernotes als zwölfteiliges Manifest unter dem Titel "Failure" zwar vom Londoner Visual-Art-Duo CRASH, das auch für die drastisch-minimalistische Covergestaltung der CD sorgte. Vega und Rev hätten die Problematik des geschichtslosen Umgangs mit Pop aber kaum treffender formulieren können. Gerade die Absurdität des Punk-Jubiläumsjahres

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