Schule des Denkens

Kultur | IRIS BUCHHEIM | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

LEBENSZEUGNIS. Das zwischen 1950 und 1973 geführte "Denktagebuch" enthüllt bisher ungeahnte Seiten der politischen Philosophin Hannah Arendt. 

Er sei, so schrieb einst der Freidenker Gotthold Ephraim Lessing, "nicht verpflichtet, all die Schwierigkeiten aufzulösen, die ich mache". Das könnte als Motto auch über dem erst jetzt erschienenen "Denktagebuch" von Hannah Arendt stehen. Widersprüche nimmt die engagierte politische Denkerin gern in Kauf, wenn es darum geht, die Welt zu verstehen. Zwischen 1950 und ihrem Tod im Jahr 1973 versammelte und kommentierte die nach USA emigrierte jüdische Philosophin in 28 Heften die disparatesten philosophischen Ideen - eigene wie fremde.

  Dabei schlägt sie mitunter ganz andere Töne an als in ihren bislang veröffentlichten Werken. Die sonst Kant so zugewandte Arendt kritisiert rigoros die "gespenstische Leblosigkeit aller Moral" und schlägt vor, künftig alle Moral auf verlässliche Vertragsverhältnisse zu reduzieren. Verblüffend ist auch,


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