Aufgeblättert

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 50/02 vom 11.12.2002

Die längst uferlose Sekundärliteratur zu Thomas Bernhard ist um ein kurioses Kapitel reicher: Nun hat auch der Nachbarbauer seine Erinnerungen an den berühmten Autor niedergeschrieben. Der 76-jährige Johann Maxwald sen. berichtet in dem schmalen Band "Mein Nachbar Thomas Bernhard" buchstäblich aus nächster Nähe über den Schriftsteller, der 1965 den unmittelbar neben seinem Anwesen gelegenen Hof im oberösterreichischen Nathal erwarb. Einfach und sachlich, aber nicht ohne Witz notiert Maxwald Beobachtungen und Anekdoten aus 24 Jahren Nachbarschaft; respektvoll beschreibt er den Schriftsteller als eher verschlossenen, aber durchaus freundlichen Zeitgenossen. Dass Bernhard auch schwierig sein konnte, zeigt der ausführlich dokumentierte Streit um einen Mastschweinestall, den Maxwald neben seinem Hof errichten wollte. Bernhard bot schließlich einen Vergleich an: Wenn sich der Nachbar bereit erkläre, den Stall anderswo zu errichten, werde er die Mehrkosten übernehmen - man einigte


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