PRESSESCHAU

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 51/02 vom 18.12.2002

Es war, Pardon, ein gefundenes Fressen für die deutschen Boulevardzeitungen: "Das ist Armin, er hat Bernd aus Berlin gefressen", schrieb die Berliner B.Z. am Freitag in fetten Lettern über das Foto eines durchschnittlich aussehenden deutschen Mannes. Er hatte per Inserat ein Opfer gesucht, getötet und verspeist. Die Hamburger Bildzeitung brachte ein Bild des Opfers des Kannibalen: "Das letzte Foto von Bernd Jürgen B., bevor er sich schlachten ließ". Weil die grauslichen Fakten nach drei Tagen alle erzählt waren, beschäftigte sich Bild in der Folge mit der Nachbarschaft des Grauens: "Ich war in Armins Schlachthaus", durfte ein kleiner Bub in Schlagzeilenform sagen. Und, natürlich, gibt es auch eine Frau - nein, nicht die Mutter des Täters, sondern "Deutschlands berüchtigste Satanistin" - die an allem schuld ist: "Der Menschenfresser und seine Hexe: Hat sie das Böse in ihm geweckt?" Die österreichischen Tageszeitungen hielten sich hingegen vornehm zurück. Nur der Kurier titelte in der Ausgabe, die Freitagabend beim Kolporteur lag: "Vier Hauben für den Kannibalen". Es sollte ein Lob sein für den Film "Roter Drache", die Fortsetzung des "Schweigens der Lämmer".


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