Kommentar: Vanillekipferl versus Virtualität?

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 51/02 vom 18.12.2002

Unsereins ist angeblich mit dem Duft von Bratäpfeln, Tannenreisig, selbst gebackenen Vanillekipferln und dem Klang selbst geblasener Blockflöten aufgewachsen. Aber was haben die Heranwachsenden heute? Weihnachtsdekoration ab Ende Oktober und jedes Jahr ein, zwei Weihnachtsblockbuster. Der "Herr der Ringe" (siehe Kritik auf Seite 80) läuft dann zwar mit dem dritten Teil im nächsten Jahr aus, aber mit "Harry Potter" könnte man - wenn Frau Rowling endlich mit dem Schreiben voranmacht und die noch ausstehenden drei Bände abliefert - zumindest theoretisch seine ganze Pflichtschulexistenz bestreiten.

Das ist, wie ich finde, eine Vorstellung nicht ohne Pathos-Potenzial. Und man muss nicht gleich der sentimentalen Form von Kulturkritik verfallen (immer weniger Vanillekipferln, immer mehr Virtualität), um sich die Frage zu stellen, welche Maschinen da angeworfen werden, die Fantasien von Kindern und Jugendlichen über längere Zeiträume hinweg zu beschäftigen und zu strukturieren. Es sind


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