SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 51/02 vom 18.12.2002

Das Beeindruckendste am Kindertheater ist der Lärm vorher, und dass die Kinder so unkritisch sind. Sie fiebern total mit, und ihre Augen strahlen. Übertroffen wird das nur von den begleitenden Lehrerinnen, aber vielleicht sind die bloß froh, dass ihre Gruppe endlich ruhig sitzt. Im Renaissancetheater hat Hausherr Thomas Birkmeir den Schweizer Kinderklassiker "Heidi" inszeniert. Der Dickkopf Heidi gewinnt bei einem Schmatzwettbewerb das Herz ihres nicht minder dickköpfigen Großvaters, dem Alm-Öhi, und nach der Pause mischt sie in der Stadt bei Klara auf. Eva Neubauer ist eine wilde, robuste Heidi in einer gut geschmierten Produktion, die ein bisschen zu erwachsen wirkt und die kleinen Besucher mit wohlkalkulierten Effekten (Bühnenzauber: Schneebälle, Gewitter, ein Baum stürzt etc.) bei Laune hält. Den Kindern hats jedenfalls gut gefallen. Immer diese kritischen Erwachsenen.

  Das Erstaunliche am Jugendtheater ist, dass einen auch als Erwachsene mainstreamige Popthemen noch immer interessieren. In "Winner & Loser" von Lutz Hübner im Theater im Zentrum geht es um eine Party, auf der alles schief läuft. Andy schmeißt sie nur, um Schulhof-Queen Marie näher zu kommen; diese wiederum hat es auf Klassenclown Julian abgesehen, der natürlich alles nimmt, aber nichts richtig will. Mit einem gut eingespielten Ensemble umkreist das Stück ebenso locker wie tiefschürfend die großen Fragen: Warum verliebe ich mich in die falschen Menschen? Was will ich von meinem Leben? Wie ziehe ich mich als DJ an? In kleinen Solos erzählen die Figuren aus ihrem Innenleben, und am Ende ist im wahrsten Sinn des Wortes kein Stein auf dem anderen. Den Erwachsenen hats gefallen - Jugendliche waren wenige da. Vielleicht haben die zu Hause inzwischen Partys gefeiert.


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