KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 51/02 vom 18.12.2002

Schon in den früheren Fotografien von Gregor Zivic ging es perspektivisch vertrackt zur Sache. Mit seiner aktuellen Schau in der Galerie Martin Janda (bis 19.1.) zieht der Künstler nun aber die Schraube noch weiter an: erstens durch die bloße Menge der Bilder, die sich im Vergleich zu seinen bisherigen Ausstellungen ungeheuer multipliziert hat; zweitens durch die Präsentation in einer raumhohen, rasterförmigen Struktur, einer Art Setzkasten, in dem der Betrachter von Bildern umzingelt wird; und drittens durch die komplexen Arrangements in den inszenierten Fotos selbst. Als einziger Akteur in einer wild wuchernden Welt aus Plastikefeu, Gummischläuchen, Birkenstämmen, Rohren und Luftballons tritt Zivic selbst auf. Ohne besonderen Ausdruck turnt er durch die bunte, entfesselte Materie. Etwas Slapstickartiges haben nur die Körperhaltungen des Künstlers an sich.

  Wo in Zivics früheren Arbeiten noch eine gewisse Nähe zum Retroschick regierte, rücken die Designanleihen jetzt in den Hintergrund und machen einem Spiel mit Oberflächen (Samt, Plexiglas, Furnier usw.) Platz. Die quadratische Form der Bilder und das Display, das die Fotos wie eine zerstückelte Bildgeschichte erscheinen lässt, betonen die Nähe zum Film. Wo heute gerne vom "Cyborg" die Rede ist und die Fotomanipulation am Computer keine Grenzen mehr kennt, benützt Zivic einen altertümlichen Staubsauger für ein Mensch-Maschinen-Bild und baut seine Settings mit dem Hammer anstatt mit der Maus. Das wirkt, als ob er die Zeit anhalten wollte. So entstehen aber auch visuelle Qualitäten, die mit "Cut and Paste" nicht zu erzeugen wären.


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