Stadtrand: Brot für die Wand

Stadtleben | aus FALTER 51/02 vom 18.12.2002

Ströck eröffnete in der U-Bahn-Station Schwedenplatz eine neue Filiale. So was kommt vor. Um auf das neu eröffnete Geschäft hinzuweisen, ließ der Großbäcker gleich beim U4-Abgang auf zwei mal drei Meter Fläche eine Menge Gebäck an die Wand nageln: sozusagen ein Echtbrot-Relief als Reklametafel. Die meisten Passanten fanden es weniger lustig, dass da Brot vergammelte, während nebenan Obdachlose schnorrten. Nach ein paar Tagen fiel das Brot von der Wand, wurde von Jugendlichen runtergetreten, Tauben kamen nicht zum Naschen. Dann enfernte man die Reste wieder. Mag sein, dass es sich um ohnehin zu "entsorgende" Überschussware gehandelt hat, aber für einen Bäck ist das ein ganz schlechtes Symbol: Mit Essen "spielt" man nicht. Basta. Nichtsdestotrotz dürfte die Aktion aber von anderen Branchen gerne aufgegriffen werden. Wieso nicht bei Palmers-Eröffnungen BHs und Unterhosen an die Wand hängen? Und wenn irgendwo ein neuer Elektroniksupermarkt aufsperrt, dürfen die DVD-Player zum Selberpflücken gerne wo angebracht werden. Auch gegen Kleidung, Bücher, CDs, Parfümfläschchen, Blumen oder Handys an Reklametafeln wäre eigentlich nichts einzuwenden. Nur Brot ist nichts für die Wand. Das gehört auf den Tisch. Alles andere ist Bad Taste. Very Bad Taste. C. W.


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