STANDPUNKT: Tragischer Held

Politik | aus FALTER 02/03 vom 08.01.2003

Ihnen glaube ich nicht mehr, Herr Schüssel": Im Wahlkampf warb die SPÖ mit den Konterfeis weinerlicher Pensionisten, die der ÖVP Rentenklau vorwarfen. Jetzt kullern vielleicht wirklich die ersten Tränen - allerdings wegen eines Vorschlages des SP-Chefs. Obwohl Alfred Gusenbauer stets die Wertsicherung der Pensionen versprochen hatte, schlug er nun einen "Solidaritätsbeitrag" jener Oldies vor, die mehr als 2300 Euro beziehen - das sind Beamte und Politiker. Man kann Gusenbauer Unehrlichkeit vor der Wahl vorwerfen, falsch liegt er mit seiner Idee aber nicht. Eine Diskussion über die Beamtenprivilegien ist mehr als "berechtigt", wie Gusenbauer sagt, eine Angleichung der Pensionssysteme notwendig. Sollte Gusenbauer der ÖVP tatsächlich denn Juniorpartner machen, um eine Pensionsreform durchzupeitschen, die - wie angepeilt - zwanzig Jahre hält, droht ihm ein Ende als tragischer Held. Gusi könnte sich zwar rühmen, als erster SP-Chef aus den Warnungen vor dem Zusammenbruch des Rentensystems ernsthafte Konsequenzen gezogen zu haben. Viele Stammwähler werden ihm aber gerade deshalb davonrennen. Denn eine Mehrheit hat die SPÖ, wie Sora-Meinungsforscher Günther Ogris im Kurier sagt, unter anderem ausgerechnet noch bei jenen, die Gusenbauer nun zur Kasse bitten will: Beamten und Pensionisten. G. J.


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