FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 02/03 vom 08.01.2003

Silvester und der Zwang zum Lustigsein: "Leider nein. Die humoristischen Höhepunkte der Castingrunden" nannten die ORF-Unterhaltungsmenschen ihren engagierten Versuch, zum Jahreswechsel noch einmal aus den peinlichsten Auftritten von "Starmania"-Möchtegernstars so richtig Quote zu machen. Die Seher durften sich deshalb nicht nur an Milchbubis mit Quäkstimme und talentfreien Reserve-Britneys erfreuen - das alleine wäre nicht spaßig genug. Dafür wurden Menschen mit offensichtlichen intellektuellen und körperlichen Handicaps, die Außenseiter, die komischen Vögel, die einmal ihre Schnulze vor Publikum singen wollten, wie in einer Freakshow vorgeführt und durch den Kakao gezogen. Und das wirkte gar nicht zufällig, sondern eher so, als hätten da die professionellen Fernsehspaßkanonen auch mal ein wenig nachgeholfen, um die besonders jenseitigen Kandidaten noch besser, also dämlicher, ins Bild zu rücken, anstatt sie höflich nach Hause zu schicken und ihnen die Blamage zu ersparen. Da wurde Menschenverachtung und Häme mit Humor verwechselt. Es ist noch immer lustiger, wenn dieser alte Mann jeden Silvester angesoffen über den Tiger stolpert.


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