STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 02/03 vom 08.01.2003

Über die Frage, wie das Kino den Traum adäquat wiedergeben kann, haben sich schon Generationen von Filmemachern den Kopf zerbrochen. Ein Vorschlag war bereits 2001 auf der Viennale zu bestaunen; nun zeigt das Gartenbau Richard Linklaters Animationsfilm "Waking Life", der etwa siebzig Episoden lang zwischen Traum und Wirklichkeit, Schlafen und Wachen mäandert - in einem visuellen Stil, dessen hochkomplexe Bildsprache in merkwürdigem Kontrast zu der mitunter banalen Erzählung steht. Allen Schwächen zum Trotz - "Waking Life" ist zu lang und das Gequatsche seiner Protagonisten oft nervtötend - stellt der Film einen faszinierenden Hybrid aus Videorealismus und malerischer Abstraktion dar. Mittels eines neuartigen Computerverfahrens wurden sämtliche (Video-)Aufnahmen zuerst von Hand nachgezeichnet, um dann in der Animation zu eigenartig amorphem Leben zu erwachen. Da verschwimmt ein Stadtpanorama zur wurlenden Masse aus Linien und Flächen, schlüpfen Darstellern plötzlich Fische aus dem Mund und entgleisen den (von Linklater-Spezis wie Ethan Hawke, Julie Delpy oder Steven Soderbergh dargestellten) Figuren die Gesichtszüge zu fast Bacon'schen Fratzen. Ein unrunder, erratischer - kurz: ein bemerkenswerter Film.

  Unter dem Titel "Welcome to Sarajevo: Bosnien-Herzegowina im Film" zeigt das Filmarchiv Austria unter anderem frühe Arbeiten Emir Kusturicas ("Papa ist auf Dienstreise") sowie westeuropäische Spielfilme, die den Krieg in Bosnien thematisieren (darunter den entsetzlichen "Beautiful People"). Auftakt ist die Österreichpremiere von Danis Tanovics oscargekrönter Kriegssatire "No Man's Land", dem ersten bosnisch (ko-)produzierten Auslandserfolgs der Nachkriegszeit.


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