Verdacht auf Liebe

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 02/03 vom 08.01.2003

THEATER. Das Comeback des Jahres: Andrea Breth inszeniert Lessings "Emilia Galotti" im Akademietheater als leidenschaftliches Drama der Gefühle. 

Machen wir uns nichts vor: Das bürgerliche Trauerspiel hat ein Imageproblem. Die glühenden Tragödien um heillose Liebschaften zwischen den Ständen, um verruchte Adelige und verbiesterte Bürgerväter gelten nicht grundlos als hoffnungslos pathetisch und verstaubt. Nehmen wir zum Beispiel "Emilia Galotti" (1772) von Gotthold Ephraim Lessing: Ein geiler Prinz stellt der braven Bürgerstocher Emilia nach; diese aber lässt sich lieber von ihrem Papa ermorden, als ihre Unschuld zu verlieren. Klingt seltsam, aber so steht es geschrieben.

  Wenn das Theater dennoch immer wieder auf das bürgerliche Trauerspiel zurückgreift, liegt das vermutlich an den großen Gefühlen, die da im Spiel sind. Die gesellschaftspolitische Sprengkraft der Texte wurde von der Wirklichkeit längst entschärft; mit Liebe aber wird hier auf eine Weise umgegangen, wie


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