GRAZMUSIK: Orpheus singt nicht mehr

CARSTEN FASTNER | Extra | aus FALTER 03/03 vom 15.01.2003

Seit 396 Jahren, seit Claudio Monteverdis bahnbrechender Vertonung des antiken Mythos, geistert der wundersame Sänger Orpheus durch die Operngeschichte: als Sinnbild für die Macht der Liebe, der Musik, als Inbegriff des Künstlers zwischen dionysischem und apollinischem Prinzip. Bei Beat Furrer hat Orpheus nun seinen Gesang verloren. Für "Begehren", Furrers dritte, in der neuen Grazer Helmut-List-Halle (szenisch) uraufgeführte Oper, kompilierte der 1954 in Schaffhausen geborene, seit Jahrzehnten in Österreich lebende Komponist einschlägige Texte von Ovid, Vergil, Hermann Broch, Cesare Pavese und Günter Eich, schuf intime, ständig die Perspektive wechselnde Betrachtungen des Moments nach jenem einen, fatalen Blick zurück, mit dem Orpheus seine Eurydike für immer verlor.

  Wo solcherart auf klassisch-dramatische Handlung verzichtet wird, kann die Musik enorm an Intensität gewinnen. Furrer hat mehr als nur Erfahrung darin, in radikaler Einschränkung des dynamischen Spektrums schier

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