Stadtrand: Geschneit gescheitert

Stadtleben | aus FALTER 03/03 vom 15.01.2003

Es gibt da so einen halblustigen deutschen Film, der heißt "Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" und erzählt davon, wie die Leute wegen Sex oder Sexmangel verrückt spielen. Aber nichts gegen die vielen Städter, die den Verstand verlieren und die Nerven hinhauen - wegen dem bissl Schnee. Das beginnt schon beim Autofahren, wo sich manche bei weißer Fahrbahn dermaßen anstellen, dass man sie kollektiv in einen Bergfahrkurs auf den verschneiten Arlberg schicken möchte. Aber beim Bimfahren gibts auch nur Chaos. Zuerst wartest du mindestens eine halbe Stunde auf den nächsten 43er (Außenbezirke-Bims sind die schlimmsten!) und verstehst nicht, warum ständig Straßenbahnen eingezogen werden - wegen dem bissl Schnee. Kommt dann doch eine, pferchen sich die Leute dermaßen rein, dass die Türen nicht schließen können, der Fahrer schimpft bei jeder Station, irgendeiner ist immer zu blöd, dann ist endlich eine Tür hinig und muss geschlossen werden, das Nadelöhr wird noch enger. Übler ist nur, wenn man abends heimfährt und die Heizung im Waggon wieder mal nicht funktioniert - bis Ottakring kommst du dir vor wie Doktor Schiwago. Wenigstens kein halblustiger Film. J. O.


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