"Bei sechs Millionen Juden ..."

Politik | NINA HORACZEK | aus FALTER 04/03 vom 22.01.2003

RECHTSEXTREMISMUS. "... da fängt der Spaß erst an", singt der Deutsche Neonazi-Barde Michael Müller. Er soll kommenden Samstag in Wien auftreten. 

Es wird ein feucht-fröhliches Fest. Am Samstag lädt die Burschenschaft Olympia zu einem Liederabend mit dem Deutschen Michael Müller in ihre Bude. Der Regensburger Sänger ist in Deutschland kein Unbekannter. Der deutsche Bundesrat begründete seinen Antrag auf ein Verbot der rechtsextremen NPD unter anderem mit einem Liederabend in der NPD-Geschäftsstelle im Jahr 1998, bei dem Müller unter Beifall der Zuhörer den Udo-Jürgens-Schlager "Mit 66 Jahren" umdichtete: "Mit sechs Millionen Juden, da fängt der Spaß erst an, bis sechs Millionen Juden, da ist der Ofen an (...) wir haben reichlich Zyklon B ...".

  Ein Jahr später variierte Müller sein Lied bei einer weiteren NPD-Veranstaltung und fügte die Strophe "bei sechs Millionen Juden ist noch lange nicht Schluss" ein. Auch beim Gedenkmarsch für den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß war Müller mit der Gitarre dabei.

  Bei der Olympia möchte man von solchen Gesängen nichts wissen. "Den Müller kennen wir schon länger", sagt Walter Asperl von der Olympia, die momentan den Vorsitz des Wiener Kooperationsringes innehat. Er selbst habe dessen Lieder noch nie gehört und könne sich auch nicht vorstellen, dass der deutsche Gast so etwas singt - auch wenn deutsche Verfassungsschützer dies bestätigen. "Im Verfassungsschutzbericht stehen sehr oft eigenartige Dinge", meint Asperl lediglich.

  Auch der freiheitliche Politiker und Olympia-Burschenschafter Martin Graf will den Auftritt des rechten Sängers nicht kommentieren. Der FP-Bezirksparteiobmann lässt lediglich ausrichten, dass er kein politischer Mandatar mehr sei und deshalb nicht für ein Interview zur Verfügung stehe.


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