SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY | aus FALTER 04/03 vom 22.01.2003

Das Schauspielhaus hat ein gravierendes Problem: Die Gastspiele sind um Klassen besser als die Eigenproduktionen, die sich nicht so recht entscheiden können, was sie erzählen wollen. In der Asien-Revue "Marco Polo Wunderwelt" von Martina Winkel (die gemeinsam mit Co-Direktor Airan Berg das Theater ohne Grenzen betreibt) wird rund um die auf Plastikstühlen sitzenden Zuschauer gespielt, gesungen, es werden Teller jongliert, Tai-Chi choreographiert. Die kleinen Geschichten übers Reisen, moderne Globalökonomie, Kolonialismus und den eigenen Blick aufs "Fremde" rollen allerdings so unsubtil ab, dass man der Aufführung den Vorwurf des beliebigen und geschmäcklerischen Ethnomix nicht ersparen kann. Nur in einer Szene zeigt sie Potenzial: Wenn Noorlinah Mohamed aus Singapur von ihren konkreten Lebenserfahrungen erzählt. Das hat dann Hand und Fuß.

  Mit "Je veux je veux" nimmt Liz King als Ballettleiterin der Volksoper ihren Abschied - der designierte Direktor Rudolf Berger möchte die Zusammenarbeit nicht fortsetzen, wie er King während der Proben wissen ließ. Man hätte der sympathischen Choreographin einen strahlenderen Abgang vergönnt, vieles bleibt in einer glatten und leeren Achtzigerjahreästhetik gefangen (als Tanz noch schön sein musste). Die Alltagswünsche, um die das Stück sich dreht - Inspirationsquelle war Jean Genets Rollenspiel "Der Balkon" - werden unter all der Kunstanstrengung kaum greifbar. Der erste, eher theatralische Teil (Co-Regie: Martin Gruber vom Aktionstheater) des Abends vereint alles, was einem am Serapionstheater oft nervt: ausgiebiges Baden in bedeutungsschwangerer Atmosphäre. Noch bevor man etwas Alltägliches erkennen könnte, kippt es schon ins schwammig Surreale.


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